08 Mai 21

Da Costa holt sich in letzter Sekunde den Sieg beim Monaco E-Prix

Antonio Felix da Costa von DS TECHEETAH holte die Siegerkrone auf den legendären Straßen von Monaco beim unglaublichen 7. Rennen der ABB FIA Formula E Weltmeisterschaft 2020/21.

Der amtierende Champion Antonio Felix da Costa (DS TECHEETAH) legte beim 7. Rennen der ABB FIA Formula E Weltmeisterschaft eine Meisterleistung auf den historischen Straßen von Monaco hin und sicherte sich nach mehreren Überholversuchen in der zweiten Hälfte der letzten Runde den Rennsieg.

Mitch Evans (Jaguar Racing) lag für einen Großteil des Rennens in Führung, doch in den letzten Minuten wurde der Energieverbrauch zum dringenden Problem für den Neuseeländer. Sowohl da Costa als auch Robin Frijns (Envision Virgin Racing), der selbst weit oben in der Fahrerwertung steht, witterten ihre Chance. 

Der DS-Fahrer führte in der letzten Runde an der New Nouvelle Schikane „eines der riskantesten Manöver seiner Formula E Karriere“ aus und verlor kurzzeitig Bodenhaftung, segelte aber an Evans vorbei. Frijns folgte ebenfalls nach, wenn auch nur sehr knapp – er konnte Evans den zweiten Platz direkt vor der Zielflagge wegschnappen.

„Ich wusste, dass das Rennen aufgrund des schwierigen Energiemanagements sehr kompliziert werden würde, und wir haben eine perfekte Strategie umgesetzt“, kommentierte da Costa. „Wie viele Führungswechsel an der Spitze gab es insgesamt? Das passiert in keiner anderen Rennserie! Es war das riskanteste Überholmanöver meiner gesamten Formula E Karriere. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffen würde, aber ich liebe es einfach, gegen diese Jungs Rennen zu fahren. Es ist so hart und doch so fair.“

Evans beendete das Rennen auf Platz Drei, nachdem er in den letzten beiden Runden auf der legendären Rennstrecke seinen Jaguar so ausladend wie noch nie zuvor in der Geschichte des Motorsports gefahren hatte beim Versuch, Energiereserven zu sparen, während das aggressive Fahrerfeld hinter ihm ihn gnadenlos bedrängte.

Jean-Eric Vergne (DS TECHEETAH) ist höchstwahrscheinlich enttäuscht, dass er lediglich als Vierter die Zielflagge erreichen konnte, nachdem seine zweite Aktivierung des ANGRIFFSMODUS nicht wie geplant verlaufen war. Der Franzose, der hier in der 5. Saison als Sieger hervorgegangen war, holte in den letzten drei Runden vier Plätze auf, um seine Fehler wiedergutzumachen, und ergatterte dabei auch die TAG Heuer schnellste Runde.

Dieses Ergebnis brachte Frijns an die Spitze der Fahrerwertung, vor dem bisherigen Spitzenreiter Nyck de Vries (Mercedes-EQ). Da Costas Sieg brachte den DS-Fahrer zur Saison-Halbzeit bis auf 10 Punkte auf den ersten Platz in der Fahrerwertung heran. Mercedes-EQ befindet sich weiterhin auf dem Spitzenplatz in der Teamwertung.

So spielte es sich ab ...

Da Costa legte einen guten Start von der ersten Startposition aus hin, ebenso wie Evans, der Frijns auf dem zweiten Platz an der St.-Devote-Kapelle zu überholen versuchte, doch der Niederländer konnte sich erfolgreich verteidigen, während das Fahrerfeld in Dreierreihen die Steigung von Massenet hinaufraste.

Nach der Abfahrt am Casino Square, vorbei am Mirabeau-Hotel und in die Grand Hotel Haarnadelkurve hinein, zog sich das Fahrerfeld stark zusammen. Während die Autos in Dreierreihen weiterfuhren, krachte der Porsche von Andre Lotterer auf den Mahindra von Alexander Sims, und auch Jake Dennis (BMW i Andretti Motorsport) wurde in die Kollision verwickelt. Das Fahrerfeld schaffte es ohne weitere Unfälle durch den Abschnitt, aber die beiden Pechvögel fanden sich auf den hintersten Rängen wieder.

Frijns hinter dem Spitzenreiter da Costa setzte schon früh in der 3. Runde zum Angriff an. Der Envision Virgin Racing Fahrer zog in der 1. Kurve aus dem Windschatten heraus und setzte sich an die Spitze – ein Überholmanöver wie aus dem Lehrbuch nach einem guten Start direkt von der Startlinie weg.

Der Niederländer baute sofort einen Vorsprung auf, der groß genug war, um seinen zweiten ANGRIFFSMODUS zu aktivieren und sich direkt hinter den DS-Fahrer zu setzen – sogar nah genug, um da Costa in der 13. Runde an der Schikane zu überholen.

In der 14. Runde verpasste Vergne die Aktivierungszone für den ANGRIFFSMODUS, was den DS-Fahrer zwei Punkte kostete und er mit einem noch ausstehenden 35-kW-Energieschub durch den ANGRIFFSMODUS weiterfahren musste. Eine wirklich verpasste Chance, da Vergne zu diesem Zeitpunkt ideal positioniert war, um Spitzenreiter Frijns anzugreifen.

Zu Beginn der 15. Runde hatte Frijns einen Vorsprung von 2,5 Sekunden vor da Costa, aber bis zur 16. Runde hatte der amtierende Champion diesen Vorsprung auf weniger als eine halbe Sekunde reduziert. Der Portugiese drangsalierte Frijns zwei Runden lang, bevor er seinen FANBOOST – einen zusätzlichen 15-kW-Energieschub – mit perfektem Timing einsetzte und damit am Niederländer vorbei in den Tunnel fuhr und die Führung übernahm.

Evans im Jaguar beobachtete alles, was sich vor ihm abspielte, von seinem dritten Platz aus genau. In der 18. Runde ergriff er seine Chance, an der St.-Devote-Kapelle Frijns den zweiten Platz zu stehlen und direkt danach an der Beau Rivage spektakulär an da Costa vorbei zu ziehen und die Führung zu übernehmen – ein unglaubliches Überholmanöver.

In derselben Runde musste der MINI Electric Pacesetter zum Einsatz ausrücken, nachdem Rene Rast (Audi Sport ABT Schaeffler) an der Ausfahrt der 1. Kurve in die Barrieren gekracht war, was einen sehr hektischen letzten Rennabschnitt mit sechs Minuten plus einer Runde verbleibender Rennzeit zur Folge hatte.

Evans führte vor da Costa, Frijns, Günther, Vergne, Rowland, Cassidy, Bird, di Grassi und Lynn, obwohl der DS von Vergne den zweifachen Champion bei seiner zweiten ANGRIFFSMODUS-Aktivierung kurzzeitig auf den achten Rang zurückpurzeln ließ.

Er kämpfte sich schnell wieder an Cassidy und Rowland vorbei auf Platz Fünf, bei zwei Minuten plus einer Runde verbleibender Rennzeit, und der Franzose hatte auf dem Weg durch den Tunnel den BMW von Günther im Visier – Vergne konnte sich auch am Auto des Deutschen vorbeidrängen und auf den vierten Platz vorrücken.

In den letzten beiden Runden begann ein von aufsteigender Panik erfasster Evans, nervös seinen Renningenieur zu kontaktieren – wohl wissend, dass er kaum noch Energiereserve übrig hatte und deshalb in die Defensive gezwungen werden würde. Der Neuseeländer fuhr seinen Jaguar jetzt so ausladend wie nie zuvor im Motorsport, doch am Ende reichte auch das nicht aus. Da Costa erkannte an der Schikane seine Gelegenheit und setzte sich gnadenlos durch – trotz blockierender Bremsen. 

Der DS-Fahrer kam als Erster ins Ziel, und auch Frijns nutze die Notlage von Evans aus, um auf den zweiten Platz vorzurücken. Die engagierten Verteidigungsmanöver des Jaguar Fahrers sicherten ihm den dritten Platz vor Vergne, Günther, Rowland, Bird, Cassidy, Lotterer und Lynn.

Wundersamerweise beendeten die Top Sechs das Rennen in genau der Reihenfolge, in der sie es begonnen hatten!

Alle Infos zum Monaco E-Prix, darunter die vollständigen Ergebnisse aller Trainingseinheiten und Rennen, finden Sie auf fiaformulae.com/live