07 Jun 20

Vandoorne holt Titel für Mercedes, Wehrlein im Pech

Stoffel Vandoorne (Mercedes-Benz EQ) hat sich auf der virtuellen Strecke in Berlin-Tempelhof den Titel in der ABB Formula E „Race at Home Challenge“ gesichert. Rang zwei im letzten Rennen der Serie reichte dem Belgier, um in der Fahrerwertung noch am zuvor Führenden Pascal Wehrlein (Mahindra Racing) vorbeizuziehen.

Eigentlich war alles angerichtet für einen spannenden Showdown zwischen Wehrlein und Vandoorne, die vor dem letzten Rennen, in dem die Punkte doppelt zählten, 14 Punkte voneinander trennten. Im Qualifying platzierten sich beide direkt hintereinander: Wehrlein fuhr hinter Pole-Setter Oliver Rowland (Nissan e.dams) die zweitbeste Zeit, Vandoorne sicherte sich Startplatz drei.

 

Doch im Rennen dauerte der Titel-Zweikampf nur wenige Sekunden. Als das Feld in die erste Kurve einbog, wurde Vandoornes Fahrzeug von Sébastien Buemi (Nissan e.dams) von hinten touchiert und schlitterte in Wehrleins Boliden. Der drehte sich daraufhin und fiel weit zurück. „Ich habe alles getan, was ich konnte und bin auf Position zwei im Qualifying gefahren. Auch der Start war gut, dann wurde ich unglücklicherweise von hinten getroffen und habe mich in der Folge gedreht. Danach war das Rennen für mich im Grunde beendet“, beschrieb Wehrlein die entscheidende Szene. In der Folge bewies er zwar noch Kampfgeist und machte vom zwischenzeitlichen 21. Rang Platz um Platz gut. Als Neunter schaffte er es am Ende sogar noch in die Punkteränge. Er hätte jedoch Platz vier benötigt, um den Titel zu gewinnen.

 

Den sicherte sich so Vandoorne, der seinen zweiten Platz hinter Tagessieger Rowland bis zum Schluss souverän verteidigte. „Es wäre natürlich schön gewesen, einen echten Meisterschaftskampf im letzten Rennen zu haben. Trotzdem ist es ein wohl verdienter Titel“, sagte Vandoorne stolz. Die Zahlen geben ihm recht: In allen Rennen landete er in den Top 5, vier Mal sicherte er sich die Pole Position. Dank dieser konstanten Leistungen schloss er die Fahrerwertung als Erster mit 154 Punkten vor Wehrlein (134), Rowland (122) und Maximilian Günther (BMW i Andretti Motorsport, 118) ab. Auf der realen Rennstrecke wartet Vandoorne noch auf seinen ersten Sieg in der Formel E. Der Titel in der virtuellen Rennserie könnte ihn nun beflügeln: Die Meisterschaft hat viel Spaß gemacht. Es wäre schön, diese Performance in die reale Formel E-Welt mitzunehmen.“ Auch Wehrlein fand trotz des verlorenen Titel-Duells ein positives Fazit: „Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich denke, wir haben gutes Entertainment geboten.“

 

Die deutschen Piloten hatten daran großen Anteil. Fünf von acht Rennen gewannen deutsche Fahrer. Dreimal sicherte sich Wehrlein den Sieg, zweimal Günther. Der Allgäuer erwischte mit zwei Erfolgen hintereinander einen perfekten Start, eine Durststrecke mit drei Rennen ohne Podestplatzierung warf ihn aber im Titelrennen zurück. Mit zwei dritten Plätzen gelang Günther am Final-Wochenende aber noch einmal ein zufriedenstellendes Ende. “Es ist schön, das letzte Wochenende der ABB Formula E „Race at Home Challenge“ mit zwei Podien abzuschließen. Es hat wirklich Spaß gemacht, bis zum Schluss um die Meisterschaft zu kämpfen. Jetzt freue ich mich darauf, bald wieder zum realen Motorsport zurückzukehren.“

 

André Lotterer (TAG Heuer Porsche) war beim Test-Event vor dem Meisterschaftsauftakt überraschend auf Platz drei gefahren und beendete das letzte Rennen auf Rang zwölf.

 

Auch er blickt positiv auf die Meisterschaft zurück. „Es hat großen Spaß gemacht, in den vergangenen Wochen virtuell gegen die Formel-E-Jungs anzutreten. Wir haben viel trainiert, damit wir uns von Rennen zu Rennen verbessern konnten. Und das war alles andere als einfach. Nun hoffe ich, dass wir bald wieder auf der Rennstrecke Gas geben können.“