21 Sep 20

Formula E: erreicht eine Kohlenstoffbilanz mit Netto-Null-Emissionen

Die ABB FIA Formula E Championship ist die erste globale Rennserie, die seit ihrer Gründung eine Zertifizierung für ihre Kohlenstoffbilanz mit Netto-Null-Emissionen vorweisen kann. Sie investiert in international zertifizierte klimaneutrale Projekte in allen Racing-Bereichen, um die Emissionen aus allen sechs Saisons im elektrischen Rennsport auszugleichen.

In Anlehnung an den empfohlenen Ansatz des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, die UN Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), verfügt die Formula E über drei Hauptinitiativen zum Erreichen einer Null-Netto-Emissionen-Kohlenstoffbilanz: effektive Messung des Kohlenstoffausstoßes, Priorisierung von Maßnahmen zur Reduzierung der Kohlenstoffbilanz der Meisterschaft und Ausgleich der restlichen nicht vermeidbaren Emissionen.

Beobachten

Seit ihrer Premierensaison erstellt die Formula E gemeinsam mit den Experten für Klimabilanzen von Quantis eine Ökobilanz, die zur Berechnung des Kohlenstoff-Fußabdrucks der Meisterschaft verwendet wird.

Die Ökobilanz ist ein Instrument zur ganzheitlichen Bewertung der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der gesamten Meisterschaft, und die Formula E hat diese Auswirkungen in jeder bisherigen Saison kontinuierlich überwacht, um nachvollziehen zu können, wo es Möglichkeiten für echte Verbesserungen in unseren Betriebsabläufen und unserer Planung gibt. 

Die Kohlenstoffbilanz der Formula E


Saison 1: 25.000 Tonnen CO2-Äquivalent
Saison 2: 12.000 Tonnen CO2-Äquivalent
Saison 3: 13.500 Tonnen CO2-Äquivalent
Saison 4: 32.000 Tonnen CO2-Äquivalent
Saison 5: 45.000 Tonnen CO2-Äquivalent

Der letzte vollständige Datensatz aus Saison 5 ergibt einen CO2-Fußabdruck der Formula E von 72 % Frachttransport, 14 % Personal, 6 % Zuschauer, 4 % Nahrungsmittel, 4 % Betriebsalltag und 1 % Herstellung unserer Autos – mit einem Emissionswert von 1 Tonne CO2-Äquivalent zum jährlichen Fußabdruck einer Person, gemäß den Zahlen des Paris-Abkommens, das als Hauptziel die Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius festlegt.

Während der ersten fünf Saisons stammte der größte Beitrag zum Ausstoß an CO2 von der Frachtverladung und dem -transport zwischen den einzelnen Racing-Standorten.

Laut Schätzungen werden diese Ausstoß-Proportionen über alle Saisons hinweg weitgehend gleich bleiben, mit Ausnahme der 6. Saison, die von der gegenwärtigen Pandemie betroffen war, weshalb die Hälfte der Rennen an nur einem einzigen Ort, dem Flughafen Berlin-Tempelhof, stattfand. Der Anstieg der Emissionen zwischen der 2. und 5. Saison ist auf den gestiegenen Umfang unserer Veranstaltungen und unseres Rennkalenders zurückzuführen.


Reduzieren

Die Formula E hat ein auf drei Säulen basierendes Nachhaltigkeitsprogramm entwickelt. Nachhaltige Events sollen sich in jeder Austragungsstadt positiv auswirken und unsere globale Plattform dazu nutzen, Elektrofahrzeuge zu fördern und deren Rolle bei der Bekämpfung der Luftverschmutzung hervorzuheben.

Dank Optimierung von Transport und Logistik, Erweiterung der Wiederverwertungsmöglichkeiten für Lithium-Ionen-Batterien und Verzicht auf Einwegkunststoffe bei allen lokalen Veranstaltungen der Meisterschaft wird die Formula E die erste und einzige Rennserie mit einer unabhängigen ISO 20121 Zertifizierung – dem internationalen Standard für nachhaltige Events.

„Die Formula E wurde in erster Linie mit der Zielsetzung entwickelt, die Einführung von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen und nachhaltige Praktiken zu fördern, das Bewusstsein für die Vorteile des Elektrofahrens zu schärfen und zu zeigen, wie saubere Mobilität dem Klimawandel entgegenwirken kann“, so Julia Palle, Senior Sustainability Director der Formula E anlässlich der Erneuerung der ISO 20121 Zertifizierung für 2020.

„Unsere Events rücken das Thema Nachhaltigkeit ins öffentliche Bewusstsein. Die Zertifizierung zeigt unser Engagement für dieses Anliegen und ist eine Erinnerung an das, was wir bisher erreicht haben, und auch an unser Bestreben, in diesem Bereich weiterhin innovativ zu sein.“

Wir berichten und bewerten unsere Fortschritte jedes Jahr. Außerdem greifen wir auf Auszeichnungen zurück, um unseren Bemühungen Nachdruck zu verleihen und sie zu legitimieren. Entdecken Sie die Nachhaltigkeitsberichte, Zertifizierungen und Auszeichnungen der Formula E

In den bisherigen sechs Rennsaisons hat die Formula E unermüdlich daran gearbeitet, ihren Treibhausgasausstoß zu reduzieren und dabei gleichzeitig den Gesamtverbrauch an Ressourcen zu verringern und Nachhaltigkeit zu fördern.

Wir arbeiten eng mit Quantis zusammen, um die Klimaauswirkungen der Rennserie zu bewerten und ihre Schwerpunkte festzulegen, und angesichts der Tatsache, dass fast drei Viertel der Emissionen der Formula E über alle sechs Saisons hinweg auf den Transport von Fracht zu und von den Events zurückzuführen sind, konzentrierten wir unsere Bemühungen auf den größten Beitrag zur gesamten Klimabilanz der Meisterschaft:

  1. Optimierung des Rennkalenders, um mehrere Seetransporte zur Abdeckung verschiedener Kontinente nutzen zu können
  2. Anwendung eines multimodalen Ansatzes, bei dem Schiene und Straße dem Luftfracht-Transport vorgezogen werden, um Emissionen zu reduzieren
  3. Es werden nur für die Rennen unbedingt erforderliche Artikel befördert, um das Gewicht zu reduzieren, wobei auch effizientere Verpackungen verwendet werden
  4. Frachtbestandsprüfungen werden durchgeführt, um zu ermitteln, welche nicht essentiellen Frachtartikel entfernt werden können, um das Gewicht zu reduzieren, und auch, welche Artikel lokal beschafft werden können


Neben Bemühungen zur Reduzierung der Emissionen im Fracht- und Transportbereich wurden mehrere Initiativen ins Leben gerufen, um die Gesamt-Kohlenstoffbilanz durch Reisen von Mitarbeitern und Zuschauern, die Auswirkungen von Veranstaltungen und den Alltagsbetrieb zu reduzieren.

Die Formula E arbeitet direkt mit allen Zulieferern zusammen, um zu gewährleisten, dass alle Produkte möglichst wenig Auswirkungen auf das Klima haben. Das kann die Verwendung lokaler Lebensmittel und Getränke bedeuten, oder die Sicherstellung, dass die Aussteller auf unseren Events bei ihren Beschaffungsprozessen sowie bei Bau, Betrieb und Ausstattung ihrer Stände einen nachhaltigen Ansatz verfolgen.

In Bezug auf Reisen werden Events mit einem Parkplatzverbot durchgeführt, um die Nutzung öffentlicher, nachhaltiger und gemeinsam genutzter Verkehrsmittel zu fördern. Da Personalreisen 14 % der gesamten Kohlenstoffbilanz der Meisterschaft ausmachen, ist die Teilnahme an den Events nur auf die Mitarbeiter beschränkt, die vor Ort für essentielle Aufgaben benötigt werden, und wenn möglich, werden Bahnreisen innerhalb Europas bevorzugt.

Im Rahmen unseres Engagements für eine fortlaufende Zertifizierung nach ISO 20121 ist die Müllentsorgung von entscheidender Bedeutung. Durch die schrittweise Abschaffung von Materialien wie Einwegkunststoffen und die Einführung wiederverwendbarer Wasserbeutel und Trinkstationen wurde die vor Ort produzierte Menge an Müll verringert. Dadurch konnten 200.000 Plastikflaschen und 10 km wiederverwertbares, nicht PVC-haltiges Rennstrecken-Branding eingespart werden.

Darüber hinaus sind unsere Rennreifen zu 100 % recycelbar, und die Rennserie verfügt über ein umfassendes Batterie-Recyclingprogramm. Die Formula E hat engagiert sich auch für die Aufklärung über Abfall-Recycling, um die Menge des auf Deponien entsorgten Materials zu reduzieren. Dazu werden „Recycling Rangers“ in Gebieten mit hohem Publikumsverkehr eingesetzt, die für ein maximal mögliches Recycling sorgen.

Emissionsausgleich

Letztendlich tragen die Initiativen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks der Meisterschaft dazu bei, dass die Formula E mit den geringstmöglichen nicht vermeidbaren Emissionen operieren kann.

Die Rennserie hat nun ihre Bemühungen darauf konzentriert, diese Emissionen durch nachhaltige Projekte auszugleichen, die nicht nur der lokalen Wirtschaft und den Menschen an den Orten, an denen wir weltweit Rennen fahren, zugutekommen, sondern auch dazu beitragen, die globalen CO2-Emissionen zu reduzieren und einen umfassenderen positiven Wandel herbeizuführen.

Die unvermeidbaren Emissionen aus den vergangenen sechs Saisons wurden nun auch durch Investitionen in „Gold Standard“- und „Verified Carbon Standard“-UN-Projekte als ausgeglichen zertifiziert, gemäß dem Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism) der UNFCCC.

Von der Biogas-Energieerzeugung in China über die Deponiegas-Energieerzeugung in Mexiko bis hin zur Windkraft-Energieerzeugung in Marokko – die Ausgleichsprojekte, mit denen die Formula E zusammengearbeitet hat, sind sorgfältig nach ihrem sozialen und ökologischen Nutzen sowie nach ihrem Standort ausgewählt. Alle Projekte befinden sich an einem Standort, an dem wir Rennen gefahren sind, von der 1. Saison bis heute.

Alle Ausgleichsprojekte haben nicht nur einen starken sozialen und wirtschaftlichen Nutzen für die lokalen Communities, sondern ergänzen auch unser älteres Programm durch das #PostivelyCharged Engagement zur Schaffung einer besseren Zukunft durch den Rennsport.

Auf der chinesischen Insel Hainan – dem Austragungsort des Sanya E-Prix 2019 – will ein ländliches Methangas-Gewinnungs- und Verbrennungsprojekt Landwirten beim Übergang von der Nutzung fossiler Brennstoffe zu erneuerbarem Biogas helfen.

Das Projekt für 20 Townships in der chinesischen Provinz hat zum Bau von 15.555 Methan-Vergärungsanlagen beigetragen, in denen organisches Material, einschließlich Dung und Abfall, durch mikrobielle Einwirkung anaerob zu Methangas wird. Das Projekt, das 53.000 Tonnen CO2 pro Jahr einspart, ist nur eines von neun Projekten, die zum Ausgleich der nicht vermeidbaren Emissionen der Formula E aus den vergangenen sechs Saisons beitragen. 

In Mexiko, einem der ersten Gastgeberländer der Formula E, stoßen Mülldeponien große Mengen an Treibhausgasen und anderen organischen Verbindungen aus, die zur Luftverschmutzung beitragen.

Durch das Einfangen und Verbrennen des Methans im von der Mülldeponie abgesonderten Gas kann Strom erzeugt werden, der in das nationale Stromnetz eingespeist wird, wo er als alternative Quelle für kostengünstige, regionale, stabile und erneuerbare Energie genutzt wird, um die Abhängigkeit von der Stromnetz-Versorgung zu reduzieren. Das Projekt, das 170.499 Tonnen CO2 pro Jahr einspart, hat auch einen sozialen Nutzen, da es Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung schafft, denn das System wird von Einheimischen betrieben und instandgehalten.

Marokko ist seit der 3. Saison ein fester Bestandteil des Formula E Rennkalenders und außerdem der Standort für einen Windpark in der Region Tanger-Tetouan. Vierzig Windturbinen erzeugen ca. 296.100 MWh/Jahr Strom und ersetzen damit den Strom, der gegenwärtig von den mit fossilen Brennstoffen betriebenen Anlagen erzeugt wird, und versorgen das nationale Stromnetz mit sauberer, nachhaltiger Energie.

Das Projekt, das 34.439 Tonnen CO2 pro Jahr einspart, ist Teil von Marokkos nationaler Strategie für die Erschließung erneuerbarer Energiequellen, die darauf abzielt, bis zum Jahr 2020 2.000 MW durch neue Windenergieanlagen zu erzeugen.

Die Formula E investiert ebenfalls in Herkunftsgarantien – Zertifikate für erneuerbare Energien – in Europa, wobei der Kontinent in der sechsjährigen Geschichte der Meisterschaft bereits Austragungsort für eine Reihe von Veranstaltungen war. Diese Zertifikate belegen, dass ein festgelegter Anteil der genutzten Energie aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wurde.

In anderen ehemaligen und aktuellen Gastgeberländern der Formula E haben wir weitere Windenergieprojekte in Argentinien und Uruguay sowie Projekte zur Deponiegas-Energieerzeugung in Chile, Malaysia und den USA umgesetzt. Zusammen gleichen diese Projekte all unsere nicht vermeidbaren Emissionen der vergangenen sechs Saisons aus – insgesamt ein über 150.000 Tonnen CO2 -Äquivalent.

Projekt-Zertifizierungen

Da alle Projekte nach den strengen Anforderungen des Verified Carbon Standard (VCS), des Clean Development Mechanism (CDM) und/oder des Gold Standard (GS) zertifiziert sind, folgt jedes Projekt auch den vom UN-Klimasekretariat im Kyoto-Protokoll festgelegten Regeln.

Ihre Auswirkungen gehen weit über den Nutzen für die Umwelt hinaus, da jedes von ihnen durch eine Mischung aus lokalen Arbeitsplätzen, verbesserter Luftqualität und Infrastrukturentwicklung einen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Sie fördern die Arbeit der Formula E, die darauf abzielt, sowohl in den Austragungsorten der Rennen selbst als auch darüber hinaus einen positiven Einfluss zu hinterlassen.

Nun, da wir eine zertifizierte Netto-Null-Kohlenstoffbilanz vorweisen können, wird die rein elektrische Meisterschaft im Jahr 2021 in ihre siebte Saison gehen. Der Kampf der Formula E für saubere Luft geht voller neuer Zuversicht in einer brandneuen Saison mit nervenaufreibenden Straßenrennen weiter.

Die ABB FIA Formula E Championship ist die erste Rennserie mit einer zertifizierten Kohlenstoffbilanz, die von Beginn an Netto-Null-Emissionen aufweist