12 Mrz 20

Wie die Formel E Sam Bird vor dem Absturz rettete

Sam Bird gehört seit der ersten Saison zum Fahrerpersonal der ABB FIA Formel E Meisterschaft. In seinem Leben hat die Formel E eine immense Bedeutung. Sie gab ihm nicht nur eine sportliche Perspektive zurück, sondern half ihm sogar aus einer existentiellen Krise.

In seiner Verzweiflung rief Sam Bird unter Tränen seine Mutter an: „Mum, hilf mir da raus!“ 

Er saß in einem kalten Ein-Zimmer-Appartement im südenglischen Hersham. Die Heizung hatte man ihm abgestellt, weil er die Miete nicht gezahlt hatte. Bird wusste nicht mehr, wie es weitergehen sollte. „Wenn ich ehrlich bin, besaß ich Anfang 2014 nichts, absolut nichts“, erzählte er der „Sun“ über die schwierigste Zeit in seinem Leben. 

Dabei war er seinem großen Traum von der Formel-1-Karriere kurz zuvor noch ganz nah gewesen. Als Testfahrer für Mercedes hatte er 2012 und 2013 regelmäßigen Kontakt mit Lewis Hamilton und Michael Schumacher. Der Rekordweltmeister fuhr Bird auf seinem Roller zur Teststrecke. In der GP2-Serie, die damals direkt unterhalb der Königsklasse anzusiedeln war, gewann er 2013 fünf Rennen.

Doch konkrete Aussichten auf ein Formel-1-Cockpit hatte er keine. Dann kündigte Mercedes auch noch seinen Vertrag als Testfahrer. Was nun? Bird war 27 Jahre alt und kurz davor, seine Hoffnung auf eine große Motorsport-Karriere für immer zu begraben. Er dachte daran, sich als Personal Trainer seinen Lebensunterhalt zu verdienen. 

Heimsieg in London bislang schönster Erfolg

Bis zum Tag, als sich der damalige Virgin-Racing Boss Alex Tai meldete und Bird ein Cockpit für Saison 1 der ABB FIA Formel E Meisterschaft anbot. Bird sagte zu, ohne zu wissen, wie sich die elektrische Rennserie weiterentwickeln würde. Aber er brauchte Geld und liebte das Rennfahren. Schon ein Jahr später wusste Bird, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Beim London E-Prix im Jahr 2015 feierte er den wohl schönsten Sieg seiner Motorsport-Karriere: „Dein Heimrennen vor deinen Fans zu gewinnen, zählt zu den denkwürdigsten Erlebnissen, die man als Rennfahrer haben kann“, blickt er auf diesen Tag zurück.

Neun Rennen hat der heute 33-Jährige mittlerweile in der Formel E gewonnen, als einziger Pilot stand er bislang in jeder Saison mindestens einmal ganz oben auf dem Podest. 

Und die Karriere als Personal Trainer kann ruhig noch etwas warten. Auch wenn der Fitnessaspekt einen wichtigen Raum in Sams Rennfahrerleben einnimmt. Er feilt an jedem Detail, um sich körperlich und mental ständig zu verbessern. Zu seinem Training zählen auch harte Einheiten mit Rugby-Größen oder die Teilnahme an einem Halb-Marathon. 

Nachdem er die vergangene Saison als Neunter mit der bislang schwächsten Gesamtplatzierung abgeschlossen hatte, änderte er vor dieser Saison erneut etwas und stellte auf vegane Ernährung um. Er trainierte noch härter und nahm sechs Kilo ab. Mit Erfolg: prompt gewann er das Auftaktrennen in Diriyah.

Und Bird hält weiter nach neuen Herausforderungen Ausschau. Wie bekannt wurde, gehört er zum offiziellen Fahrer-Pool der Offroad-Serie Extreme E, die im Januar 2021 in ihre erste Saison starten wird.