27 Mrz 20

Mehr als nur Ersatzfahrer: So wichtig sind die Testpiloten in der Formel E

Das Fahrerfeld der ABB FIA Formel E Meisterschaft besteht genau genommen aus mehr als 24 Piloten. Denn zu jedem Team gehören auch zwei Test- und Entwicklungsfahrer. Ihre Hauptaufgaben sind aber nicht etwa Tests auf der realen Rennstrecke, sondern das Absolvieren virtueller Runden im Simulator.

„Die Arbeit im Simulator spielt in der Formel E eine große Rolle, das kann ich gar nicht oft genug betonen. Mehr als in jeder anderen Sportart könnten wir ohne unsere Mannschaft zu Hause auf der Strecke nichts gewinnen“, erklärt Allan McNish, Teamchef von Audi Sport ABT Schaeffler.

Auch in anderen Rennserien werden Simulatoren genutzt, um sich auf bestimmte Strecken vorzubereiten, in der FIA Formel E haben die virtuellen Fahrten aber die wohl größte Bedeutung. „Mit dem Batteriestrom richtig hauszuhalten ist super wichtig. Im Simulator haben wir herausgefunden, in welchen Kurven sich durch langsame Fahrt oder Lupfen des Fahrpedals Energie einsparen lässt und wo es sich umgekehrt lohnt, zu boosten, also viel Energie einzusetzen“, sagt Neel Jani von TAG Heuer Porsche.

Diese Informationen müssen den Fahrern schon vor dem Rennwochenende bekannt sein, wie McNish betont: „Schließlich wollen sich unsere Fahrer in den Freien Trainings auf die Strecke einschießen und ihre Zeit nicht mit irgendwelchen Tests für ein optimales Energiemanagement verbringen.“

Drei Tage verbringt ein Team vor einem Rennen durchschnittlich im Simulator. Die ersten Fahrten absolvieren dabei meist nicht die Stammpiloten, sondern die Ersatz- und Testfahrer. Sie liefern genaue Daten bezüglich des Energieverbrauchs auf der jeweiligen Strecke. Auf dieser Basis erstellen die Teams unterschiedliche Softwareprogramme, die die Fahrer dann während des Rennens in der jeweiligen Situation und je nach Taktik abrufen können: von „energiesparend“ bis „volle Attacke“. 

Die Daten, die die Testfahrer liefern, erleichtern den Renningenieuren außerdem das Reifenmanagement und das allgemeine Set-Up des Fahrzeugs. Erst nachdem die Testfahrer diese Grundlagen geliefert haben, steigen die Stammpiloten in den Simulator und absolvieren Runden im Qualifying-Modus und eine „Full-Race-Simulation“.