05 Mrz 20

Die Serie der Energiespar-Champions

Die ABB FIA Formel E Meisterschaft bietet auf ihren engen Stadtkursen packenden Rennsport. Doch in der Formel E siegt nicht nur der beste Pilot. In der auf Nachhaltigkeit setzenden Serie ist der Sieger eines Rennens meist auch der beste Energiesparer. Zum Weltenergiespartag am 5. März hier ein Einblick in die Besonderheiten der Formel E.

„Energiemanagement ist in der Formel E alles“, brachte es Maximilian Günther von BMW i Andretti Motorsport nach dem Marrakesch E-Prix auf dem Punkt.

In der Tat: Würde man in den 45 Rennminuten mit dem Formel E-Fahrzeug ständig im Vollgas-Modus fahren, käme man nicht bis ins Ziel. Die Batterie wäre bis dahin längst leer. 

Im Rennmodus haben die Gen2-Fahrzeuge eine maximale Leistung von 200 kW (272 PS).

Durch Aktivierung des Attack Modes lässt sich die Leistung kurzzeitig auf 235 kW (320 PS) erhöhen. Zwischen drei und fünf Mal muss der Attack Mode von den Fahrern genutzt werden. Die genaue Anzahl legt die Formel E erst kurz vor dem Rennen fest, angepasst an die jeweilige Streckencharakteristik. 

Insgesamt steht den Fahrern während des Rennens aber nur eine Batterie-Kapazität von 52 kWh zur Verfügung. Deshalb gilt es, Fahrstil und Taktik auf die speziellen Bedingungen der Formel E abzustimmen, um am Ende noch genügend Energie übrig zu haben.

1. Drosseln der Geschwindigkeit

Im herkömmlichen Motorsport bleibt man auf der Geraden so lange wie möglich auf dem Gas und geht am Ende direkt mit dem Fuß auf die Bremse. In der Formel E drosseln die Fahrer schon einige Meter vor dem Ende der Geraden die Geschwindigkeit, um Energie zu sparen. Darauf gilt es dann auch die Überholmanöver abzustimmen. 

2. Die Taktik

Hier gibt es im Wesentlichen zwei unterschiedliche Strategien, um die Energie möglichst effektiv und erfolgreich zu nutzen. 

Die einen fahren die erste Rennhälfte in einem möglichst konstanten Rhythmus, der ihnen in der Endphase des Rennens noch Spielraum lässt, um eine Schlussoffensive zu starten. Das gelang Günther zweimal erfolgreich. Bei seinem Sieg in Mexiko City und seinem zweiten Rang in Marrakesch war er der Konkurrenz nach guter Renneinteilung in den letzten Runden bei der zur Verfügung stehenden Energie jeweils voraus und konnte die entscheidenden Überholmanöver setzen.

Eine alternative Strategie ist es, zu Beginn des Rennens zu attackieren und am Ende mit sparsamerer Fahrweise und guten Verteidigungsmanövern seinen Platz abzusichern. Das setzte Formel E-Champion Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) bei seiner Aufholjagd in Marrakesch von Rang elf auf Platz drei meisterhaft um. Nur im Duell gegen Günther zog er in der Schlussrunde den Kürzeren.

3. Das Bremsen 

Vergne nutzte noch ein weiteres Feature, um mit der Energie möglichst lange auszukommen. Verlorene Bremsenergie kann in der Formel E durch Rekuperieren wieder zurück in die Batterie geholt werden. Durch Ziehen eines Pedals am Lenkrad wird bis zu 75 Prozent der bei einem Bremsvorgang verbrauchten Energie wieder nutzbar gemacht. Vergne ist es dabei in Marrakesch besonders gut gelungen, die bei seinen Überholvorgängen auf der Geraden verbrauchte Energie zum Teil wieder wettzumachen. 

„Es war beeindruckend, wie er das im Rennen mit dem Rekuperieren gemacht hat“, lobte nach dem Rennen sogar Rivale Günther den französischen Champion.

Aber nicht immer haben die Teams und Fahrer das Energiemanagement so gut im Griff wie Günther und Vergne. Beim Mexiko City E-Prix 2019 passten die vor dem Rennen angestellten Berechnungen nach einer längeren Safety-Car-Phase nicht mehr.

Die Folge: Pascal Wehrlein (Mahindra Racing) bog mit 0 Prozent auf die Zielgerade und gab den schon sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand. Im gleichen Rennen blieben beide Fahrzeuge von Nissan e.dams eine Runde vor Schluss mit leerer Batterie liegen.