25 Mrz 20

Rekordsieger Buemi: Großes Programm, großes Herz

Der Juni 2019 war für Sébastien Buemi ein herausfordernder Monat. Erst das legendäre 24-Stunden-Rennen in Le Mans, am darauffolgenden Wochenende sein Heimrennen in der ABB FIA Formel E Meisterschaft, der Swiss E-Prix in Bern.

Buemi meisterte diese Aufgabe mit Bravour. In Le Mans trug er im Toyota zusammen mit Fernando Alonso und Kazuki Nakajima zum zweiten Mal in Folge den begehrten Sieg davon, in Bern fuhr er im Fahrzeug von Nissan e.dams als Dritter aufs Podest. Innerhalb einer Woche war Buemi in zwei grundverschiedenen Autos und Rennserien erfolgreich.

Neben der Formel E und der FIA WEC hat Buemi sogar noch ein drittes Betätigungsfeld und ist als Formel 1-Testfahrer für Red Bull Racing aktiv - ein Mammutprogramm. Doch der Fahrer von Nissan e.dams kennt ein Rezept, um dieses zu bewältigen, wie er der „Neuen Zürcher Zeitung“ erklärte.

„Indem man seinen Kopf umprogrammiert und dann im Auto sehr schnell ein gutes Gefühl für sich herstellt. In der Formel E muss man sich besonders wohlfühlen mit dem Auto, weil alles kompakter ist, angefangen bei der Rennstrecke. Das Fahren an sich ist, wenn man sich auf alles eingestellt hat, beinahe der leichteste Part. Das liegt mir ohnehin im Blut.“

Titel in FIA WEC und FIA Formel E

Schon Buemis Großvater Georges Gachnang nahm 1960 am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Sébastien fuhr bereits als Sechsjähriger die ersten Kartrennen und hatte später in den Nachwuchsserien schnell Erfolg: Vizemeister in der Deutschen Formel BMW im Jahr 2005 und Vizemeister in der Europäischen Formel 3-Meisterschaft 2007. Red Bull wurde auf ihn aufmerksam und nahm ihn in sein Förderprogramm auf.

Der Weg in die Formel 1 war für ihn vorgezeichnet, drei Jahre fuhr der Schweizer in der Königsklasse für Toro Rosso. Die großen Erfolge und Titel folgten aber erst nach der Zeit als Stammfahrer in der Formel 1. 2014 krönte er sich in der FIA WEC zum Langstrecken-Weltmeister, 2016 gewann er auch in der ABB FIA Formel E Meisterschaft den Titel. Mit 13 Rennsiegen ist er derzeit der Fahrer, der die meisten Formel E-Rennen gewonnen hat.  

Doch Talent ist nicht die einzige Erklärung für Buemis Erfolge. 

„Er ist ein wirklich harter Arbeiter“, lobt Teamkollege Oliver Rowland. Buemi ist ungeheuer fleißig, verbringt unzählige Stunden im Simulator und arbeitet ständig an seiner Fitness. Er blickt aber auch über den persönlichen Tellerrand hinaus und macht sich Gedanken, wie sich das Team allgemein verbessern kann.

„Er hat eine Persönlichkeit, die alles voranbringt“, beschreibt Francois Sicard, geschäftsführender Direktor von Nissan e.dams, Buemis besondere Fähigkeiten.

Wut-Walk in Montreal 

Am auffälligsten ist aber die Leidenschaft, die Buemi für den Motorsport hegt. „Ich könnte mir ein Leben ohne Autorennen nicht vorstellen“, betont er immer wieder. Wer sehr leidenschaftlich ist, hat aber manchmal auch seine Emotionen nicht im Griff.

Buemis „Wut-Walk“ nach dem Rennen in Montreal 2017, bei dem er sich in der Boxengasse mehrere Fahrerkollegen wegen leichter Kollisionen der Reihe nach vorknöpfte und beschimpfte, ist vielen im Gedächtnis geblieben. „Manchmal habe ich ein wenig überreagiert“, gibt er im Nachhinein selbst zu. 

„Er ist Schweizer, aber auf der Rennstrecke ist er sehr emotional, da ist er mehr Italiener“, sagt Lucas di Grassi von Audi Sport ABT Schaeffler, mit dem Buemi schon mehrfach aneinandergeriet. Trotz aller Scharmützel ist der 31-Jährige nicht unbeliebt im Fahrerlager. Viele empfinden seine direkte Art auch als positiv.  „Wenn etwas schiefläuft, dann spricht er es an. Dafür zolle ich ihm Respekt“, meint beispielsweise Robin Frijns von Envision Virgin Racing.

Und für Teamkollege Rowland ist Buemi mittlerweile zu einem echten Freund geworden. 
Zwar räumt auch der Brite ein: „Klar, es gibt auch Meinungsverschiedenheiten, bei denen wir uns danach einige Wochen nicht mögen.“ Aber Rowland ist Buemi dankbar für die Unterstützung, die er ihm in der vergangenen Saison als Neuling im Team entgegenbrachte: „Er war für mich da wie ein älterer Bruder oder gar ein Vater.“ 

Auch als Teamkollege hat Buemi ein großes Herz.