02 Jan 20

ROAD TRIP: Von München bis Berlin im bahnbrechenden Porsche Taycan Turbo S

Motorsportmeister Porsche schließt sich seinen deutschen Konkurrenten aus der ABB FIA Formula E Championship – Mercedes-Benz, Audi und BMW – an und bringt seine Erfahrungen auf der Rennstrecke in die Produktion von Serienwagen mit ein. Mit dem vollelektrischen Taycan – dem neuesten Elektrofahrzeug aus dem Formula E Rennstall – haben wir eine 850-km-Fahrt durch Deutschland unternommen, um ihn in der Praxis zu testen. Wir haben das neue vollelektrische Auto von Porsche in verschiedensten Umgebungen auf den Prüfstand gestellt: von bewaldeten Gebirgspässen in Bayern bis hin zu Autobahnstrecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.  

2019 war ein wichtiges Jahr für Deutschland. Es war nicht nur das dreißigjährige Jubiläum des Berliner Mauerfalls, sondern auch das Jahr, in dem einer der Spitzenhersteller des Landes sein erstes vollelektrisches Auto auf den Markt brachte – den Porsche Taycan. In Anbetracht dessen erschien es als passende Hommage an beide Anlässe, mit dem neuen Taycan Turbo S eine 850 km lange Spritztour von der traditionsreichen deutschen Autobaustätte München bis in die historische Hauptstadt Berlin zu unternehmen. 

So nahmen wir an einem nebligen Morgen unseren Taycan in einem Vorort von München in Empfang, und das nur einen Steinwurf entfernt von einem der ältesten Motorsport-Rivalen von Porsche – der Audi-Zentrale in Ingolstadt. Da Audi bereits seit dem allerersten Rennen im Jahr 2014 in der Formula E vertreten ist, konnte der deutsche Autobauer bereits deutlich mehr Erfahrung im rein elektrischen Rennsport sammeln als Porsche. Doch mit dem Start seines vollwertigen Werksteams Ende 2019 macht sich der Stuttgarter Sportwagenhersteller nun daran, seine langjährige Erfolgsgeschichte im Motorsport auch in der Straßenrennserie fortzusetzen.    

Nachdem der 568 kW (750 PS) starke Taycan Turbo S die Stadttore fast lautlos hinter sich gelassen hat, bewältigt er mühelos die kurvenreichen Landstraßen zur mittelalterlichen Stadt Regensburg. Der 93,4 kWh starke 800-Volt-Lithium-Ionen-Akkuzellenmotor, der den Vorderradantrieb mit 198 kW (262 PS) und den Hinterradantrieb mit 340 kW (449 PS) versorgt, macht den Turbo S zum leistungsstärksten vollelektrischen Porsche. Aus dem Stand erreicht der Superwagen im raumschiffähnlichen Design 100 km/h in atemberaubenden 2,8 Sekunden, und eine Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h. Um deutlich zu machen, was das bedeutet: Dieses Auto erreicht die 100-km/h-Marke schneller als viele rote Sportwagen aus Italien mit einem Pferd auf der Motorhaube. Aber das nur als Anmerkung.


Außerhalb von Regensburg halten wir an einer der neuen IONITY-Ladestationen für eine Schnellladung, einen Espresso und natürlich ein Stück Apfelstrudel. Schließlich sind wir in Deutschland. Als gemeinsames Projekt von BMW, der Mercedes-Muttergesellschaft Daimler, Ford und der Volkswagen Group mit Audi und Porsche hat IONITY den Aufbau eines Hochleistungs-Ladesystems für Elektrofahrzeuge an den wichtigsten Fernstraßen Europas in Angriff genommen. Als wir unser Auto aufluden, waren europaweit über 150 Ladestationen für die Schnellladung (350 kW) bereits verfügbar. Mit einer Reichweite von rund 400 Kilometern kann der Turbo S die meisten Langstreckenfahrten bequem bewältigen, aber das Aufladen an einer Schnellladestation stellt sicher, dass wir unseren Zwischenstopp in Hof problemlos und mit ausreichend Reserve im Akku erreichen.

Nachdem wir unser Auto in nur 20 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufgeladen haben, geht es weiter Richtung Norden nach Nürnberg. Wir befinden uns knapp 200 km vor unserem Übernachtungszielort und haben somit viel Zeit, um die akribisch eingerichtete Fahrerkabine des Taycan gebührend zu würdigen. Neben der gepflegten Einpassung und Ausführung der Innenausstattung verfügt das Auto über nur wenige traditionelle Bedienelemente, dafür jedoch über mehr Bildschirme als der Millennium Falcon. Sogar für den Beifahrer ist ein Touchscreen auf Brusthöhe vorhanden, der es ermöglicht, die Navigation zu übernehmen, nach einer Ladestation zu suchen oder sich einen Film anzusehen. Der Beifahrer kann sich jederzeit aussuchen, was er machen möchte, sollte jedoch nicht vergessen, dass der Fahrer die anderen drei Bildschirme im Auge behalten muss, von denen einer glücklicherweise das gewölbte digitale Armaturenbrett ist. 

Am Morgen nach unserer Übernachtung in Hof machen wir uns für den letzten Tag erneut auf den Weg – weiter Richtung Norden zur vertrauten Formula E Austragungsstätte in Berlin. 505 km vor dem Ziel führt uns unsere Route ins sächsische Erzgebirge, auf Serpentinenstraßen und durch dichte Waldgebiete an der tschechischen Grenze entlang. Diese urtümliche Umgebung vom Cockpit eines der zukunftsorientiertesten Autos der Welt aus zu betrachten ist ein absolut einzigartiges Erlebnis. Das Erzgebirge und die umliegenden Landschaften entstanden vor 542 Millionen Jahren und bieten eine wirklich spektakuläre Testumgebung für den Taycan, die das Handling des Porsche mit ausladenden Kurven und schmalen Fahrspuren auf die Probe stellt. 

Zurück auf der regulären Straße führen uns ein paar Stunden Autobahnfahrt vorbei an Berlins berühmtem Flughafen Tempelhof – dem Austragungsort des wohletablierten Berlin E-Prix und der zukünftigen Wettkampfarena für das erste Formula E Rennen von Porsche auf heimischem Boden am 21. Juni. Am Ende unseres vollelektrischen Abenteuers bleibt uns noch Zeit, über die Hunderte von Kilometern nachzudenken, die wir hinter dem Steuer des neuesten Autos von Porsche zurückgelegt haben. 

Für ein Auto, das in aller Munde ist, seit es 2015 zum ersten Mal öffentlich präsentiert wurde – damals unter dem Namen „Mission E“ –, ist es schon eine beachtliche Leistung, dem Hype tatsächlich gerecht zu werden. Obwohl es aussieht wie aus einem Science-Fiction-Film und klingt wie ein Raumschiff, fährt es sich vor allem wie ein Porsche. Durch den tief montierten Akku liegt der Schwerpunkt des Taycan niedriger als beim vielgeliebten Modell 911 der Marke. Als wohl einziger Kritikpunkt ist auch anzumerken, dass die Reichweite von 400 km für einige Vielfahrer immer noch nicht genug sein wird, für die allermeisten Alltagsfahrer wird sie jedoch absolut ausreichen. Täglich kommen neue Elektrofahrzeuge auf den Markt, während sich batteriebetriebene Autos deutlich schneller weiterentwickeln als ihre Pendants mit Verbrennungsmotor. Unter den aktuell verfügbaren Elektrofahrzeugen zählt der Taycan zu den ausgefeiltesten und leistungsstärksten. Da sich Porsche bereits der elektrischen Zukunft verschrieben und ein komplettes Formula E Werksteam bereitgestellt hat, um die neueste Technologie zu testen, wird der Taycan von morgen wahrscheinlich noch viel einflussreicher werden als bisher.

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