14 Jan 20

Bricht der Bann in Santiago? Was für den Sieg eines deutschen Fahrers in Chile spricht

Der Saisonauftakt der ABB FIA Formel E Meisterschaft beim Diriyah E-Prix hätte aus deutscher Sicht kaum erfreulicher sein können. Alle vier deutschen Hersteller (Audi, BMW, Porsche und Mercedes-Benz) landeten in den beiden Rennen mindestens einmal auf dem Podium. Die Neueinsteiger TAG Heuer Porsche und Mercedes-Benz EQ benötigten zur Überraschung vieler keine lange Anlaufphase. Die deutschen Formel-E-Fans können also äußerst optimistisch aufs Rennjahr 2020 blicken, das am Wochenende mit dem Antofagasta Minerals Santiago E-Prix eröffnet wird.

Fehlt nur noch ein Sieg durch die deutschen Fahrer. Der letzte Erfolg eines deutschen Piloten datiert vom 19. Mai 2018, als Daniel Abt den Berlin E-Prix gewann. Doch nach den Eindrücken vom Saisonstart bestehen berechtigte Hoffnungen, dass in den kommenden Rennen der Bann durch einen der vier Piloten gebrochen wird. Vielleicht ja schon in Santiago…

André Lotterer fuhr beim Debüt für TAG Heuer Porsche zum fünften Mal in seiner Formel-E-Karriere auf Rang zwei – im allerersten Rennen nach einer schwierigen Vorbereitungsphase eine starke Leistung. „Vielleicht war es ein Schritt zurück, um vorwärts zu kommen“, sagte der gebürtige Duisburger vor Saisonbeginn über seinen Wechsel zum Neueinsteiger. Sollte es in diesem Jahr mit dem ersten Sieg klappen, würde sich die Entscheidung des 38-Jährigen für einen Wechsel zu Porsche als goldrichtig herausstellen. Auch wenn dem Team noch einiges an Lernarbeit bevorsteht, zeigt der Auftakt in Diriyah, dass Lotterers Erfahrung als Rennfahrer der X-Faktor sein kann.

Auch Max Günther (BMW i Andretti Motorsport) stand in Diriyah auf dem Podium. Die Freude über Platz zwei währte beim Allgäuer zwar nur kurz, da er durch eine Zeitstrafe nach der Siegerehrung auf Platz elf zurückversetzt wurde. Aber entmutigen ließ er sich dadurch nicht: „Was bleibt, ist das Bewusstsein, dass ich ein starkes Rennen gefahren bin und den Speed habe, um aufs Podium zu kommen.“ Sollten BMW und Günther die Performance aus dem zweiten Rennen auch in Santiago an den Tag legen, darf sich der 22-Jährige durchaus Hoffnungen auf den Sieg machen. Die Lust, das Gefühl auf dem Podium nochmal erleben zu dürfen, wird ihn zusätzlich antreiben.

Die Ränge 15 und elf bedeuteten für Pascal Wehrlein (Mahindra Racing) ein ernüchterndes Ergebnis zum Auftakt. Aber für den früheren DTM-Champion ist ein Podestplatz nicht so weit weg, wie es scheint. Wie Teamkollege Jérome d’Ambrosio mit zwei Teilnahmen an der Super Pole unter Beweis stellte, mangelt es den Fahrzeugen des indischen Teams nicht am Speed. Und die vergangenen Wochen konnte Mahindra Racing nutzen, um die Grundlagen für eine bessere Renn-Pace zu legen. Dazu sind die Erinnerungen an den E-Prix in Santiago 2019 bestens bei Wehrlein. In seinem erst zweiten Formel-E-Rennen fuhr er vor einem Jahr auf Rang zwei.

Daniel Abt (Audi Sport ABT Schaeffler) landete im Vorjahr als Dritter in Santiago ebenfalls auf dem Podest. Der Allgäuer weiß, wie man ein Formel-E-Rennen gewinnt. Und auch ihm macht die Leistung des Teamkollegen Hoffnung: Lucas di Grassi eroberte im zweiten Diriyah-Rennen Platz zwei, die Renn-Pace bei Audi stimmt also. Abt sollte man auf der Rechnung haben.