07 Feb 20

Alexander Sims: Der Überzeugungsfahrer

Für Alexander Sims geht es in der Formel E nicht nur ums Rennfahren. Der Pilot von BMW i Andretti Motorsport hat eine Mission. Und eine besondere Gabe, aus Rückschlägen zu lernen.

Der 15. Dezember 2018 war ein glücklicher Tag im Leben von Alexander Sims - auch wenn er am Ende des Diriyah E-Prix „nur“ auf Rang 18 ins Ziel kam. Doch das Ergebnis bei seinem ersten Rennen in der ABB FIA Formel E Meisterschaft war für den gebürtigen Londoner an diesem Tag zweitrangig. 

Mit dem damaligen Neueinsteiger-Team von BMW hatte Sims etwas erreicht, was nur wenigen gelingt. Er hatte seine Motorsport-Leidenschaft nicht nur zu seinem Job gemacht, sondern konnte diesen Beruf nun endlich auch mit seiner Berufung in Einklang bringen - mit seinem persönlichen Engagement für die Umwelt. 

Denn der Pilot von BMW i Andretti Motorsport steht mit voller Überzeugung hinter der Nachhaltigkeitsbotschaft der Formel E.

„Einige Jahre lang war es etwas, das mich in meinem persönlichen Leben interessierte, insbesondere Themen wie erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge, was mich dazu brachte, mich für energieeffiziente Häuser zu interessieren und mehr über Nachhaltigkeit im Allgemeinen zu erfahren. Es war sehr interessant, dass ich mit der Formel E meine Leidenschaft für den Rennsport mit diesem ganzen Universum vereinen konnte“, erklärt Sims. 

Schon 2012 fuhr der Brite privat ein Elektrofahrzeug. Die Entwicklung in diesem Bereich steckte damals noch in den Kinderschuhen. Ladestationen gab es auch in den Großstädten nur wenige: „Ich musste ein Verlängerungskabel durchs Fenster meines Hotelzimmers legen, um mein Auto zu laden“, erinnert sich der 31-Jährige. 

Als Vorsitzender der Charity-Organisation „Zero Carbon World“, die sich für eine kohlenstofffreie Gesellschaft einsetzt, engagiert er sich aktiv für Nachhaltigkeit. Seit Sims in einem Elektroauto Rennen fährt, ist dieses Engagement kein Widerspruch mehr zu seiner Motorsport-Leidenschaft – im Gegenteil.

Sieg beim Saisonauftakt in Diriyah

Genau ein Jahr nach seinem Formel E-Debüt kam Sims dann auch auf dem sportlichen Gipfel an. Beim Auftakt in die aktuelle Saison fuhr er im zweiten Rennen dank cleverer Taktik und intelligentem Energiemanagement zu seinem ersten Formel E-Sieg. 

„Ich fahre schon seit 20 Jahren Autorennen, mache einfach meinen Job und versuche alles andere auszublenden. Als ich als Erster über die Ziellinie gefahren bin, war es ein großartiges Gefühl“, freute sich der Brite.

Von Rang 18 auf Platz eins innerhalb eines Jahres – dies hatte Sims mit dem gleichen Erfolgsrezept geschafft, das ihn in die Formel E gebracht hatte. Durch fokussiertes Arbeiten und seine Gabe, aus Rückschlägen zu lernen.

„Wir hatten die ganze letzte Saison über viel zu lernen“, erinnerte sich Sims im Augenblick seines Triumphs an die Durststrecke der Vorsaison, als er in drei von vier Rennen nicht einmal die Zielflagge sah. Sims ließ sich davon nicht unterkriegen, was beim letzten Saisonrennen in New York City mit der Pole Position und Platz zwei belohnt wurde. Die nächste Steigerung folgte dann im November in Diriyah. 

Stetig gesteigert hat sich Sims auch während seiner gesamten 20-jährigen Rennfahrerpraxis. Als junger Fahrer wurde er bereits mit den McLaren Autosport BRDC Award für herausragende britische Nachwuchspiloten ausgezeichnet.

Seine stärkste Entwicklung nahm er schließlich als BMW-Werksfahrer. 2015 Vizemeister in der British GT Championship, 2016 Sieg beim berühmten 24-Stunden-Rennen in Spa, 2017 Zweiter der nordamerikanischen IMSA WeatherTech Sports Car Championship. Innerhalb von drei Jahren hatte er in drei unterschiedlichen Rennserien des GT-Sports Erfolge erzielt und damit vor allem seine große Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Diese Fähigkeit kommt ihm nun in der Formel E zugute, wo alle Sessions auf den schwierigen Stadtkursen an nur einem Tag stattfinden.