10 Mrz 19

Hongkong-Analyse: Außenseiter holt überraschend Sieg nach Duell in Hongkongs Zentrum, Champion in Schwierigkeiten 

Es war keine leichte Aufgabe, das 50. Rennen der kurzen Geschichte der ABB FIA Formula E Championship würdig zu begehen. Aber bei einem weiteren rauen Straßenrennen im Zentrum von Hongkong wurde das Fest mit der bekannten hohen Dosis Unvorhersehbarkeit gefeiert. Mit einem dramatischen Duell zwischen Andre Lotterer von DS Techeetah und Sam Bird von Envision Virgin Racing im Mittelpunkt erwies sich das 50. Rennjubiläum der Serie als das erste offizielle regennasse Rennen in der Geschichte der Meisterschaft. Sam Bird wurde sein gestohlener Sieg aberkannt und Venturis Edoardo Mortara stieg als unwahrscheinlichster Außenseiter in der legendären Hafenkulisse von Hongkong zum Sieger auf. Hier ist alles, was in einem weiteren spektakulären Showdown im Spice Harbor passiert ist. 

Duell im Zentrum von Hongkong mit unerwartetem Ergebnis

In einem der rauesten Straßenkämpfe der Renngeschichte, bei dem insgesamt acht Fahrer aus dem Rennen fielen, war das 50. E-Prix Jubiläum durch ein dramatisches Duell zwischen dem DS Techeetah-Fahrer Andre Lotterer und dem britischen Envision Virgin Racing-Fahrer Sam Bird gekennzeichnet. In den letzten Augenblicken des Rennens jagte Bird den Führenden Lotterer und touchierte das Hinterrad seines Wagens. Dabei brach seine Hinterradfederung und durchbohrte seinen Reifen. Mit dem entstandenen Schaden schlingerte Lotterer Richtung Ziel, kam aber nicht mehr dort an. Stattdessen musste er mitansehen, wie ihm der sichergeglaubte Sieg entglitt. „Das ist ziemlich traurig, klar. Ich dachte, das wird mein Rennen, und er hat mich einfach gestoppt", sagte der Deutsche verbittert, als er in die Box zurückkehrte.

„Das Rennen war bis zu diesem Zeitpunkt fair, aber das würde ich wirklich als niederträchtigen Akt bezeichnen, weil wir so wirklich nicht fahren sollten."

„Ich habe wegen ihm verloren. Selbst wenn sie ihn disqualifizieren, ist mein Rennen vorbei und das ist einfach nur traurig."

In den darauf folgenden Stunden verpasste die FIA - das leitende Gremium des Motorsports - Bird einen verheerenden Schlag in Form einer Zeitstrafe von fünf Sekunden. Damit fiel er auf Rang sechs im Rennen und der Sieg ging an den Zweitplatzierten Edoardo Mortara. Zweiter wurde so Audi Sport Abt Schaefflers Lucas di Grassi und Dritter Robin Frijns von Envision.  

„Das Ergebnis heute ist fantastisch. Vierter in Santiago, dritter in Mexiko, und jetzt mein erster Sieg in Hongkong!" freute sich der schweizerisch-italienische Venturi-Pilot begeistert über seinen gerade errungenen Sieg.   

„Das Rennen war großartig und ich hatte ein wundervolles Wochenende. Wenn ich zurückblicke, bringt mir Asien einfach so viel Glück - ehrlich gesagt, ich bin im siebten Himmel und könnte nicht glücklicher sein.

„Das Team hat einen hervorragenden Job gemacht, sie haben all die Stunden investiert und alle Register gezogen - dieses Ergebnis ist der Lohn für ihre harte Arbeit."

Nachdem er in der vergangenen Saison in Hongkong bei seinem Formula E Debüt so kurz vor einem Sieg stand, dürften sowohl für Mortara als auch für das Team dieser erste Sieg überaus wichtig sein. Trotz der Strafe übernimmt Bird die Führung in Meisterschaft der Fahrer, während sein Team auch ohne Herstellerunterstützung weiter führt. Mit nur zwei Punkten, die die ersten vier Fahrer voneinander trennen, könnte der Meisterschaftstitel immer noch an jeden fallen.    

Außenseiter und Straßenrennen-Spezialist „hätte nie gedacht, dass wir heute hier stehen würden", 

Nach einem hektischen Showdown in Hongkongs Harbourfront war es der ultimative Außenseiter und bewährte Straßenrennen-Spezialist Edoardo Mortara, der in der Formula E in Hongkong sowohl sich selbst als auch seinem Team den ersten Sieg sicherte. 

„Wenn Sie sich meine bisherigen Ergebnisse anschauen, habe ich auf Stadtkursen immer gute Ergebnisse erzielt. Ich mag es einfach, denn es fühlt sich anspruchsvoller an", sagte der frischgebackene Gewinner. 

Nach einer soliden Leistung hier in Hongkong und seinem ersten Sieg in der Formula E setzt der schweizerisch-italienische Fahrer seine Erfolgsgeschichte in Asien fort. Er hat bereits beeindruckende 10 Siegen auf der Teststrecke von Macau eingefahren, die nur 60 km entfernt von Hongkong liegt. 

"Wenn ich zurückblicke, bringt mir Asien einfach so viel Glück - ehrlich gesagt, ich bin im siebten Himmel, 

"Für uns ist es Mega - ein kleines Wunder. Wir haben noch viel zu verbessern, sind aber auf dem richtigen Weg. Es fühlt sich gut an. 

„Zu Saisonbeginn hätte ich nie gedacht, dass wir heute hier stehen würden. Vor allem, wenn Sie sehen, wem wir gegenüberstehen - so viele starke Hersteller. Wir sind immer noch ein kleines Team und leisten so gute Arbeit." 

Mit dem Sieg im Gepäck liegt der unwahrscheinliche Held in der Meisterschaftswertung auf dem vierten Platz - Kopf an Kopf mit Audi Sport Abt Schaefflers Lucas di Grassi - beide mit 52 Punkten. Damit ist er nur einen Punkt von Jerome d'Ambrosio von Mahindra Racing und zwei Punkte vom neuen Führenden Sam Bird entfernt. Venturi, das in Monaco ansässige Team, liegt mit 66 Punkten ebenfalls auf dem vierten Platz - 31 Punkte hinter Envision Virgin Racing als Führenden.   

„Zu Saisonbeginn hätte ich nie gedacht, dass wir heute hier stehen würden", sagte der frisch gekrönte Sieger Edoardo Mortara nach einem ersten Sieg für ihn und sein Team in Hongkong.  

Amtierender Champion in Schwierigkeiten, di Grassi stürmt weiter

„So ist das Leben - ich werde keine Tränen vergießen oder Wände eintreten, denn das ändert nichts. Ich nehme es mit einem Lächeln.“ sagte der amtierende Champion Jean-Eric Vergne nach einem weiteren harten Rennen, in dem er auf Rang 13 landete. 

Nachdem er vor weniger als einem Jahr den Meisterschaftstitel in New York errungen hatte, wand sich Fortuna von dem Franzosen in der Formula E erneut ab. Außer einem zweiten Platz beim Saisonauftakt in Saudi-Arabien und einem fünften Platz in Marrakesch gelang es dem amtierenden Champion nicht, in die Top 10 zu kommen.

„Ich habe kein Problem", beharrt er direkt nach dem Rennen. „Das Auto war gut, aber wenn du so weit hinten startest, kannst du nicht überholen."

Nach fünf Runden steht JEV mit nur 28 Punkten auf Rang elf der Gesamtwertung. „Ich werde in Sanya eine neue Chance haben", versichert er. 

„Ich meine, was soll ich sonst machen? Ich kann ja nicht nach Sanya kommen und immer noch wütend auf dieses oder die letzten beiden Rennen sein. Es ist ein neues Rennen mit neuen Chancen und Möglichkeiten, und das ist gut so."

Doch während JEV außerhalb der Top 10 kämpft, steigt der ehemaligen Champions di Grassi weiter auf. 

„Manchmal muss man mit dem Kopf Rennen fahren, nicht mit dem Herzen und nur im hier und jetzt", sagt der Brasilianer. 

„Ich fahre so dass ich jedes Rennen gewinnen will. Aber wenn du nicht gewinnen kannst, musst du so viele Punkte wie möglich sammeln - so einfach ist das - und so funktioniert mein Kopf.

„Das Auto fühlt sich gut an. Das Tempo ist gut, also werden wir in den nächsten Rennen vorn mit dabei sein. Bis zum Finale sind es noch acht Rennen und es ist viel zu früh, um sich darüber Gedanken zu machen", sagt er dann.

Mit seinem letzten zweiten Platz steigt di Grassi in der Meisterschaftswertung der Fahrer auf Rang drei, während sein Team auf den zweiten Platz vorrückt. Als einer von nur fünf Fahrern, die an allen fünfzig Rennen der Formula E teilgenommen haben, stand di Grassi  29 Mal auf dem Podium der Formula E und ist damit der der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Formula E. Die Meisterschaft-Kampagne von Audi und Motorsportmeister di Grassi hat gerade erst begonnen.  

In der Meisterschaftswertung der Fahrer liegt Lucas di Grassi von Auto nach einem zweiten Platz und seinem 29. Podium bei 50 Rennen in Hongkong auf dem dritten Rang. 

Alle fünf in 50

Wir haben ordentlich Staub aufgewirbelt: bei einer rasanten Tour mit fünfzig Formula E Rennen in nur fünf Jahren haben wir fünf verschiedene Sieger aus fünf verschiedenen Teams gekrönt, die fünf Rennen der fünften Saison der Formel E gewonnen haben. Holen Sie kurz Luft, denn das ist erst der Anfang. Während die ABB FIA Formula E Championship auf dem Weg zu ihrem zweiten Rennen in Asien ist, bereiten sich alle 22 Teams und Fahrer auf das Rennen in Sanya auf dem chinesischen Festland vor. Wenn man die ersten fünfzig Rennen Revue passieren lässt, sehen die nächsten Jahre vielversprechend aus. Sicherheitsposition einnehmen - das Beste kommt noch. Wir sehen uns in Sanya.