23 Jun 19

Analyse des Rennens in Bern: „Verrückte“ Strecke sorgt für „Chaos“ und Vergne sicher sich den Sieg. Di Grassi kämpft vor dem großen Finale weiterhin um den Titel

Der amtierende Champion Jean-Eric Vergne baut seinen Vorsprung beim sensationellen Sieg auf den Schweizer Straßen aus, während sich Lokalmatador Buemi trotz „Chaos“ in der Hauptstadt einen weiteren Podiumsplatz sichert. Nach der ganzen Action beim Finale der europäischen voestalpine-Rennen finden Sie hier die Höhepunkte und die Tiefpunkte des Julius Bär Swiss E-Prix 2019 in Bern.

Bern gehört Jean-Eric – sowie möglicherweise auch sein zweiter Titel

„Ich bin wie ein Zombie hier angekommen, aber ich glaube, das Team hat mir massiv dabei geholfen, einen guten Job zu machen“, s​agte Jean-Eric Vergne von DS Techeetah, kurz nach seinem dritten Saisonsieg in der Berner Altstadt.​

Vor dem Showdown auf den Straßen der Schweizer Hauptstadt hatte Vergne mit nur sechs Punkten vorne gelegen. Nun beträgt sein Vorsprung auf seinen Hauptkonkurrenten Lucas di Grassi, der den zweiten Platz belegt, ganze 32 Punkte. Kurz gesagt steht der a mtierende Titelverteidiger der ABB FIA Formula E kurz davor, seinen zweiten Meisterschaftstitel in der Fahrerwertung zu erringen, bevor er New York City überhaupt betritt. Wie wir jedoch aus Erfahrung wissen, ist in der Welt des rein elektrischen Rennsports nichts sicher. Der Franzose hat es selbst gesagt: „Bei der Formula E ist nichts einfach, alles kann sich so schnell ändern.

„Der Vorsprung ist größer, als der, den ich im letzten Jahr zu dieser Zeit hatte. Dennoch denke ich noch nicht allzu viel über [den Meisterschaftstitel] nach.“

Nachdem er zur Saisonmitte drei „punktlose“ Rennen bestritten hatte, fand Vergne am Ende der Saison mit drei Podiumsplätzen in Folge – darunter zwei Siege – wieder zur alten Form zurück. ​​

„Ich werde mit dem gleichen Wunsch nach New York kommen – das Rennen gewinnen und einen guten Job machen, so einfach ist das", sagte der neue Gewinner der europäischen voestalpine-Rennen voller Zuversicht.

Di Grassi wird trotz Rückschlag „niemals aufgeben“ 

„Das Qualifying war Mist“, sagte Lucas di Grassi von Audi Sport Abt Schaeffler unverblümt. „Wir haben die Strecke unterschätzt und als Erster am Start war meine Runde einfach nicht gut. Ich habe hier und da ein paar Fehler gemacht und bin von Rang 19 gestartet ... wenn du im Qualifying schlecht abschneidest, hast du verloren.“

Harte Worte vom ehemaligen Champion, die man jedoch verstehen kann. Vor dem Rennen in Bern betrug der Abstand zwischen di Grassi und Tabellenführer Jean-Eric Vergne lediglich sechs Punkte. Jetzt, nach dem Schock in der Schweizer Hauptstadt, hat er sich auf 32 Punkte vergrößert. Vergne steht weiterhin an der Spitze, und auch di Grassi hält seinen zweiten Platz. Der Brasilianer hat noch zwei Runden vor sich und ist weiterhin fest entschlossen, sich in New York City seinen zweiten Meisterschaftstitel zu holen. 

„Solange ein Sieg rechnerisch noch nicht unmöglich ist, werde ich alles tun, um ihn mir zu holen – ich werde niemals aufgeben.

„JEV ist unter Druck – er muss die Erwartungen erfüllen und ich werde nach New York fahren, Spaß haben und versuchen, beide Rennen zu gewinnen“, sagte di Grassi mit entschlossenem Blick zum Führenden der Meisterschaft.

Lokalmatador sichert sich emotionalen Podiumsplatz, bleibt jedoch weiterhin ohne Sieg 

„Das war gut – vor allem zu Hause mit meinem Sohn“, sagte Sebastien Buemi von Nissan e.dams, nachdem er bei seinem Heimrennen in Bern mit seinem Sohn vom Podium gestiegen war. „Wenn du irgendwo besonders gerne auf dem Podium stehen möchtest, dann ist das zu Hause. Ich bin sehr zufrieden mit dem heutigen Ergebnis und auch mit dem Team.“
 
Trotz zwei Podiumsplätzen für Buemi hält die Durststrecke des früheren Champions ohne ersten Platz seit mittlerweile 30 Rennen an. Mit i nsgesamt zwölf Siegen ist er jedoch nach wie vor der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Serie.​​

„Es lässt mich offensichtlich nicht kalt, dass ich [seit 30 Rennen] nicht gewonnen habe. Wenn ich das Glück, das ich jetzt habe, früher in der Saison gehabt hätten, hätten wir in Santiago oder Paris gewinnen können. Aber wir werden weiterhin unser Bestes geben und uns auf das nächste Rennen freuen. 

Ich gehe mit dem Wissen nach New York, dass wir es schaffen und kämpfen können“, sagte er mit einem Lächeln.

„Verrückte“ Strecke weicht im bisher härtesten Rennen dem „Chaos“  

„Es ist nicht nur die Steigung, die verrückt ist – auch die Veränderungen im Asphalt und die Wölbung der Straße – Dinge, die einem in keiner anderen Rennserie begegnen“, beschrieb Sam Bird (Envision Virgin Racing) die Strecke vor dem Rennen in Bern. „Es ist verrückt, es macht Spaß – es wird eine coole Herausforderung.“ 

Für Mitch Evans von Panasonic Jaguar Racing war es schlicht und einfach "eine echte, knallharte Rennstrecke ... mit viel Charakter, Oberflächen- und Höhenunterschieden.

bern formula e track

Nun, da sich der Trubel auf der 2,750 km langen, 14 Kurven umfassenden Strecke gelegt hat, lässt Evans den Straßenkurs nach seinem zweiten Platz und seinem zweiten Podiumsplatz in seiner Formula E Karriere Revue passieren. 

„Ich hatte erwartet, dass es einfacher werden würde, zu überholen ... aber mit dem Regen am Ende war es das reinste Chaos“, sagte der Neuseeländer.

„Er traf uns hart und unerwartet. Kurve 3 war nass und das ist genau das, was man nicht will. Es war extrem schwierig, die Bremszonen richtig einzuschätzen. Hätte ich versucht, es mit [Jean-Eric Vergne] aufzunehmen, hätte ich mit dem Feuer gespielt.“

Lokalmatador Sebastien Buemi von Nissan e.dams beendete sein Heimrennen hinter Evans. Buemi hatte sich vor dem Rennen einen Podiumsplatz in Berlin und einen Sieg beim Le Mans 24 Hours vor weniger als einer Woche gesichert. Obwohl er von Anfang an bei der rein elektrischen Serie dabei ist, empfand der erfahrene Fahrer die Schweizer Straßen als eine seiner größten Herausforderungen.   

„Obwohl ich seit Anfang an dabei bin, würde ich sagen, dass dieses Rennen das bisher schwierigste war – es hat großen Spaß gemacht, hier zu fahren“, sagte der Schweizer mit einem Lächeln.   

Als nächstes geht es zum Doppelfinale der Formula E nach New York City