10 Dez 19

Vom Talent zum Helden von Berlin: Wie die Formel E Daniel Abt erwachsen machte

Als einziger deutscher Rennfahrer hat der Allgäuer Daniel Abt bislang Rennen in der ABB FIA Formel E Meisterschaft gewonnen. Doch der Weg zu diesen Siegen war für den Piloten von Audi Sport ABT Schaeffler kein leichter.

Daniel Abt gehört zu den treuesten Fahrern der Formel E. Seit der ersten Saison 2014/2015 ist er mit dabei. Er ist einer von nur vier Fahrern, die bislang an allen ausgetragenen E-Prix teilgenommen haben. Und er hat sich in die elektrische Rennserie regelrecht verliebt.

 

Als vor dieser Saison noch ungewiss war, ob Abts Vertrag bei Audi Sport ABT Schaeffler in die nächste Runde gehen würde, stand für den Allgäuer eines unumstößlich fest: Formel E oder nix!

 

„Außerhalb habe ich nichts gesucht. Mir macht das hier viel Spaß. Ich möchte keinen Rückschritt mehr machen. Die Formel E ist für mich das Interessanteste. Wenn da mal ein Ende kommt, habe ich die Fähigkeiten, anders durchs Leben zu kommen“, sagte der 27-Jährige im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ vor Saisonstart.

 

Die Formel E hat aus einem talentierten Rennfahrer einen selbstbewussten Mann gemacht, der weiß, was er will. Mittlerweile gehört er zu den bekanntesten und beliebtesten Fahrern der Serie, mit 239.000 Follower auf Instagram.

 

Dabei war es vor fünf Jahren noch nicht abzusehen, dass er sich in der elektrischen Rennserie wirklich durchsetzen würde. 

 

 

„Ich bin erwachsener geworden“ 

 

Abt hat eine große Entwicklung genommen, wie er vor Saisonbeginn im Interview mit „ran.de“ erläuterte: 

 

„Ich bin erwachsener geworden. Ich war sehr jung, als ich in die Formel E kam, hatte wenig Erfahrung und mein Selbstvertrauen war durch die Formel 2 im Minusbereich. Ich habe mich da herausgearbeitet und mich entwickelt, bin ein geschliffenerer Fahrer als früher.“

 

Und tatsächlich wies Abts Karriere lange Zeit steil nach oben: Mit 16 Jahren Meister im ADAC Formel Masters, als 17-jähriger Vizemeister im deutschen Formel-3-Cup, zwei Jahre später Vizemeister in der GP3-Serie. Bei diesem Tempo war eine spätere Karriere in der Formel 1 nicht auszuschließen. 

 

Harte Zeit in GP2

 

2013 wechselte Abt in die GP2-Serie und erlebte erstmals die Schattenseiten des Motorsports. 

 

Bei ART Grand Prix hatte er seine gesamte erste Saison über mit Problemen mit der Fahrzeugabstimmung zu kämpfen. 

 

In der Gesamtwertung landete er abgeschlagen auf Rang 22, in der Saison darauf lief es nicht viel besser. Am Ende sprang Platz 16 heraus.

 

 

 

Stetige Steigerung in der Formel E

 

Abt erfuhr auf harte Art und Weise, dass es für einen guten Rennfahrer mehr braucht als nur Talent. Die Chance zur Weiterentwicklung lieferte ihm dann die Formel E, in die sein Vater Hans-Jürgen Abt 2014 mit dem eigenen Rennstall einstieg. 

 

Training, Qualifying, Rennen – alles an einem Tag. Enge Stadtkurse, Achten aufs Energielevel. Alles war neu für Abt. 

 

Aber die schwierigen Umstände machten ihn zu einem kompletteren Rennfahrer. Saison für Saison steigerte er sich. 2015 belegte er Platz elf in der Fahrerwertung, 2016 und 2017 die Ränge sieben und acht. 2018 war er dann am Ziel: beim Rennen in Mexico-City stand er erstmals ganz oben auf dem Podest. 

 

 

Höhepunkt in Berlin

 

Der Höhepunkt sollte erst noch folgen: Als erster deutscher Formel-E-Pilot gewann Abt im Mai 2018 das Formel E-Rennen in Berlin und versetzte 20.000 Fans am Flughafen Tempelhof in Ekstase. „Ein unfassbar geiler Tag, den ich nie vergessen werde!“, sagte er hinterher. 

 

Abt hatte etwas erlebt, von dem jeder (Motor)sportler träumt, einen Sieg vor eigenem Publikum. Die Mühen hatten sich gelohnt.

 

Und wer weiß – vielleicht erlebt er einen solchen Tag in dieser Saison ein zweites Mal, wenn am 21. Juni 2020 der BMW i Berlin E-Prix presented by CBMM Niobium stattfindet (hier Tickets sichern!)