Marrakesh, Morocco|13 Jan, 2018

Rosenqvist: „Es fühlt sich toll an, hierhin zurück zu kommen und das Rennen zu gewinnen“

„Es fühlt sich toll an, hierhin zurück zu kommen und das Rennen zu gewinnen“, sagte Felix Rosenqvist von Mahindra Racing, als er stolz zwischen Sebastien Buemi von Renault e.dams und Sam Bird von DS Virgin Racing in der Pressekonferenz nach dem Rennen saß.

Vor gerade einmal einem Jahr saß Rosenqvist, damals ein Rookie des indischen Konstrukteurs, in derselben Pressekonferenz und auch einem Rennen auf derselben ABB FIA Formel E Strecke, jedoch in einer völlig anderen Position. Damals wurde er Dritter, nachdem er das Rennen von der Pole begonnen hatte und im Laufe des Rennens von Sam Bird und dem Sieger Sebastien Buemi überholt wurde.

„Ich lernte am Anfang das Fahrhandwerk und die Niederlage hier war unsere größte Lehrstunde. Uns ist bewusst geworden, dass wir noch viel Arbeit vor uns hatten und einige Sachen noch verbessern mussten“, sagte der Schwede in Erinnerungen an damals. „Ich fühle mich jetzt wohl endlich wie ein erfahrener Formel-E-Fahrer, nicht mehr wie ein Rookie. Das ist eine echte Veränderung.“

Rosenqvist gab früher diese Woche an, dass er technisch anspruchsvollere Strecken „wie Hongkong und Montreal“ bevorzuge, erklärte jedoch nach dem Rennen von sich überzeugt: „Ich kann auf jeder Strecke schnell sein. [Marrakesch] gehörte nicht zu meinen Favoriten, bis ich hier gewonnen habe. Wenn jetzt jemand von Marrakesch spricht, weckt das gute Erinnerungen.“

Nach nunmehr zwei aufeinanderfolgenden Siegen steigt der ehemalige Rookie ganz oben auf die Rangliste mit insgesamt 54 Punkten. Somit liegt er gerade einmal vier Punkte vor Sam Bird, dem Zweitplatzierten, und sogar voll und ganz 54 Punkte vor dem amtierenden Champion Lucas di Grassi (Audi Sport ABT Shaeffler), der ganz unten mit null Punkten sitzt.

„Ich denke, ich wäre genauso schnell wie Felix in diesem Rennen gewesen, ich wüsste nicht warum das nicht der Fall gewesen sein sollte“, erklärt di Grassi, der mit technischen Problemen zu kämpfen hatte, die ihn dazu zwangen, frühzeitig aufzugeben. „In einem Worst-Case-Szenario wäre ein dritter Platz locker drin gewesen, wenn nicht sogar der Sieg“, sagte er souverän. Für di Grassi ist die Souveränität von großer Bedeutung, denn er brauch hiervon einiges, um Anfang Februar in Santiago seine Punktzahl aufzupolieren.

Am stärksten verbessert, zumindest bis jetzt, hat sich der ehemalige Champion Sebastien Buemi, der nach seiner schwachen Leistung in Hongkong das Rennen in Marrakesch 29 Runden lang anführte, bevor er von Rosenqvist überholt wurde. „Das war von mir kein guter Zug, ich hätte das besser machen können“, sagte Buemi mit Bedauern. „Hätte ich diese Kurve verteidigt, wäre es für ihn schwieriger gewesen, an mir vorbeizukommen. Darüber bin ich ein wenig enttäuscht.“ Oder, wie Rosenqvist es einfach sagte: „Diese Serie kann einem jederzeit einen Tritt in den Hintern geben.“ Weise Worte von dem Youngster, der sich vor gerade einmal einem Jahr in einer ähnlichen Position befand. Wie sich das Blatt gewendet hat.

Man sollte jedoch nicht den König des Comebacks vergessen: Jose Maria Lopez von Dragon. Er kam dieses Jahr mit einem Paukenschlag zurück, nachdem er Ende der Saison drei DS Virgin Racing verlassen hatte. Nach einer ordentlichen Leistung in der Super Pole begann der Argentinier das Rennen auf Platz vier und beendete es nur zwei Plätze tiefer auf Platz sechs. Das ist sicherlich kein Podestplatz, wenn man sich jedoch das für Dragon desaströse Wochenende in Hongkong ansieht, hat Lopez dem US-Team so einiges an neuer Hoffnung eingehaucht.

Für Sam Bird von DS Virgin Racing endete Marrakesch mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da seine Anstrengungen durch technische Probleme abgebremst wurden. „Es ist trotzdem ein Podestplatz. Ich bin traurig und glücklich zugleich, hier oben zu sein“, sagte Bird. Sein Sieg in Hongkong und der dritte Platz in Marrakesch geben dem Briten den zweiten Platz in der Fahrerwertung, nur vier Punkte hinter Rosenqvist.

Nelson Piquet Jn von Panasonic Jaguar Racing stieg das erste Mal in Hongkong auf das Podest und fuhr hier ein solides Rennen. Er startete auf Platz sieben und schaffte es am Ende bis auf Platz vier. Darüber hinaus holte er die Visa Fastest Lap und sicherte sich somit einen Extrapunkt. Auch sein Teamkollege Mitch Evans zeigte in den ersten drei Rennen gute Leistungen, könnte das vollständig britische Team also eine Chance auf den Titel haben? Wir werden sehen, was in Santiago geschieht.

Wie auch immer das Ergebnis, für die Einzelfahrer, das Team oder anderweitig, ausgefallen sein sollte, eines wurde heute klar: Die Geschwindigkeit hat ordentlich zugelegt. Denn im Qualifying fuhren 13 Fahrer schneller als der letztjährige Rundenrekord von 1:20.599, einige sogar 1,2 Sekunden schneller. Dies ist ein Zeichen der technischen Entwicklungen in der Serie, die sich auch auf die vollelektrischen Pkw auswirken werden.

Der 2018 ABB FIA Antofagasta Minerals Santiago E-Prix steht bereits in weniger als drei Wochen an, einige Teams werden also hart arbeiten, damit das Rennen in Südamerika bestmöglich verläuft. Mahindra steht sowohl in der Team- als auch der Fahrerwertung vorne und darf sich nun nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. In den Worten ihres eigenen Starfahrers, „Diese Serie kann einem jederzeit einen Tritt in den Hintern geben“.

Morgen steht in Marrakesch der erste offizielle Rookie-Test der Serie an. Dort werden 20 neue Fahrer das allererste Mal in ein vollelektrisches Formel-Auto steigen und es auf dem Circuit International Automobile Moulay El Hassan fahren. Guckt ab und zu mal auf www.fiaformulae.com für eine Zusammenfassung des Tages vorbei.